Jüdisches Museum: Seit der 1962-er Gründung des Berlin-Museums hatte dort eine jüdische Sammlung bestanden, aber wegen des beschränkten Raums hatte das Berlin-Museum diese wichtige Sammlung nicht adäquat ausgestellt. In den achtziger Jahren beschloß die Stadt Berlin, ein neues Museum zu erbauen, das sich ausschließlich der Geschichte der ehemals in Berlin und in Deutschland lebenden Juden widmen sollte. Zu diesem Zweck kündigte die Stadt einen internationalen Wettbewerb an, um einen Entwurf für das neue Museum zu erhalten. Den ersten Preis erhielt der Architekt Daniel Libeskind, der 1946 geboren ist, aus Polen stammt und in den USA lebt.

1992-1999 wurde der Bau in der Kreuzberger Lindenstraße errichtet. Von oben sieht die Gestalt des Baus wie ein Blitz aus. Da das Jüdische Museum keinen Eingang hat, muss das Publikum es vom Berlin-Museum her betreten, wo es sich an das U-förmige Berlin-Museum mittels eines Gangs durch das Tiefgeschoss anschließt. Das Jüdische Museum sieht überhaupt nicht wie ein normales Gebäude aus, in dem der Grundriss einen rechteckigen Querschnitt hätte mit rechteckigen Fenstern in den Mauern. Keine der Aussenmauern, die die tatsächliche Fassade des Gebäudes darstellen, kann man eindeutig erkennen. Diese Eigenschaft könnte darauf hin deuten, dass die Geschichte der Juden keinen wohl definierten Anfang und Schluss hätte. Der Grundriss besteht aus Zickzacklinien statt rechteckigen Linien. Statt rechteckiger Fenster betrachtet man verschiedene Kerben und Risse, die in schräge Richtungen verlaufen, und in den Kerben sitzen Fenster. Jede Kerbe, die die mit Zinkblech verkleideten Außenwände verziert, symbolisiert ein Ereignis aus der Geschichte der Juden in Deutschland, das während des Unfriedens der Vergangenheit in Berlin und Deutschland stattfand. Die zwei Bilder, die im Mai und März aufgenommen wurden, zeigen eine Fassade, in der der Riss wie ein verzerrter Davidstern aussieht.

Der Stil dieses Museums gehört zu der Gattung, die Dekonstruktivismus genannt wird. Sie entstand in den siebziger Jahren, als der Amerikaner Frank O. Gehry mit seinen Entwürfen der Bewegung den Weg bahnte. Ein Ziel dieses Stils ist, eine Verunsicherung beim Betrachter zu erzeugen, indem die Formen der Bauelemente verfremdet werden. Ein Beispiel dieser Art von Verfremdung ist die Verzerrung des Davidsterns. Sie beschwört eine Erinnerung an die Umwandlung der Stellung der Juden in der deutschen Gesellschaft herauf, die mehrmals im Laufe der deutschen Geschichte bis zum Aufstieg der Nationalsozialisten stattgefunden hatte.

Since the Berlin Museum had been founded in 1962, a Jewish collection had existed; but, because of limited space, the Berlin Museum had not adequately exhibited this important collection. In the 1980s, the city of Berlin decided to build a new museum, which will be dedicated exclusively to the history of the Jews who formerly lived in Berlin and in Germany. For this purpose, the city announced an international competition, to obtain a design for the new museum. The architect, Daniel Libeskind, won the first prize. He came from Poland originally, and lives in the USA.

From 1992 to 1999, the building was constructed on Lindenstraße in the Kreuzberg section of Berlin. From above, the image of the building looks like a lightning bolt. As the Jüdische Museum (Jewish museum) has no entrance, the public must enter it from the Berlin Museum, where it connects to the U-shaped Berlin Museum via a corridor through the basement. The Jüdische Museum looks not at all like a normal building, in which the ground plan would have a rectangular cross section and the walls would have rectangular windows. One cannot recognize any of the exterior walls as representing the actual facade of the building. This feature could indicate that the history of the Jews has no well-defined beginning and end. The ground plan consists of zigzag lines instead of rectangular lines. Instead of rectangular windows, one observes various notches and tears that run in slanted directions; and, in the notches, windows are set. Each notch, which decorates the zinc-sheet-metal, exterior walls, symbolizes an event in the history of the Jews in Germany, which took place during the strife of the past in Berlin and in Germany. The two pictures, which were taken in May and March, show a facade in which the tear looks like a distorted Star of David.

The style of this museum belongs to the genre that is called Deconstructivism. It arose in the 1970s, when the American, Frank O. Gehry paved the way for the movement with his designs. A goal of this style is to generate an uneasiness in the observer by alienating or estranging the forms of the building elements. An example of this type of alienation is the distortion of the Star of David. It evokes a remembrance on the transformation of the position of the Jews in German society, which had taken place many times during the course of German history, running through the rise of the Nazis.





Jüdisches Museum: Das Bild oben zeigt im Vordergrund rechts den E. T. A.-Hoffmann-Garten und links den Holocaust-Turm. Der Holocaust-Turm ist aus Sichtbeton, der an das Baumaterial der Hitlerschen Staatsbauten in Nürnberg sowie an seinen Berliner Bunker erinnert. Der E. T. A.-Hoffmann-Garten besteht aus einem geordneten Gitter von Betonstelen, die mehr als mannshoch stehen. Die Stelen erinneren an die Grabsteine, die in vielen seit langem zerstörten jüdischen Friedhöfen hätten gesehen werden können. Das Gitter der Stelen ähnelt dem Entwurf eines Berliner Holocaust-Mahnmals, den der amerikanische Architekt Peter Eisenman für den Wettbewerb einreichte. Wenn die Betonstelen von ferne betrachtet werden, erscheint das Gitter der Spitzen schräg. Wenn man zwischen den Betonstelen herum geht, erhält man den falschen Eindruck, dass die Pfeiler lotrecht ständen, weil der Grund angeschrägt ist, auf dem sie stehen. Es ist möglich, dass Libeskind dem Betrachter des Gartens eine Art Verfremdung bietet. Warum wurde der Garten nach dem aus dem 18. Jahrhundert stammenden Schriftsteller E. T. A. Hoffmann benannt? War Hoffmann wie viele seiner Zeitgenossen ein heimlicher Antisemit? Oben auf den Betonstelen wächst Gesträuch, das auf das jüdische Laubhüttenfest Sukkot anspielt.

In the foreground, the picture above shows the E. T. A. Hoffmann-Garten (E. T. A. Hoffmann Garden) to the left and the Holocaust-Turm (Holocaust tower) to the right. The Holocaust-Turm is made out of exposed concrete, which is a reminder of the building material used for Hitler's state buildings in Nuremberg as well as for his bunker in Berlin. The E. T. A. Hoffmann-Garten consists of an ordered array of concrete steles (upright stone slabs), which stand higher than a person. The steles are a reminder of grave stones that would have been able to be seen in many long since destroyed Jewish cemeteries. The grid of steles resembles the design of a Holocaust memorial in Berlin that the American architect, Peter Eisenman, submitted for the competition. If the concrete steles are observed from a distance, the grid of slab tops appears to be slanting. If one walks around between the steles, the posts would stand perpendicular, because the ground on which they stand is sloped. It is possible that Libeskind is offering a type of alienation to the observer of the garden. Why would the garden be named after the 18th-century writer, E. T. A. Hoffmann? Was Hoffmann like many of his contemporaries a secretive antisemite? Shrubbery grows on top of the concrete steles that alludes to the Jewish festival Sukkot , which involves foliage-covered huts.

























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Photographs © Gary L. Catchen